Buchtipp: München - Von Ernst-Wilhelm Händler

S. Fischer 2016, Frankfurt/Main 2016

ISBN: 978-3-10-397207-8

Um eines bereits vorwegzunehmen: In Ernst-Wilhelm Händlers, München, ist vieles  - zumindest auf den ersten Blick – merkwürdig-befremdlich und skurril. Doch gerade das macht seinen brillant, kunstvoll erzählten Gesellschaftsroman zu einer absoluten Leseerfahrung, die völlig zu Recht auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis gelandet ist.

Und hierum geht´s: Präzise und mit großem Wortwitz, ja fast schon soziologisch, beschreibt Händler rund um das Leben der Hauptfigur des Romans, Thaddea Klock, die Sorgen und Ängste der betuchten, feinen Münchner Kreise. Thaddea, eine reiche Erbin, die sich gerade eine Existenz als freie Therapeutin und Coach für gestresste Businessmenschen aufbaut, steckt selbst in einer tiefen Sinnkrise, als sie plötzlich erfährt, dass ihr langjähriger Freund sie mit ihrer besten Freundin betrogen hat. Thaddea bricht daraufhin den Kontakt zu den beiden ab und schlittert dabei immer mehr auf der Suche nach Liebe und Anerkennung in ihre eigene Selbstfindungskrise hinein.

Schräg und an einigen Stellen zum Schreien komisch wird München vor allem durch Händlers minutiös geschilderten Personen-Portraits der feinen Klasse. Die Figuren mit all ihren Ticks und Marotten nimmt Händler im Detail unter die Lupe und liefert damit eine keinesfalls realistische, aber doch klug überzeichnet Milieu-Studie, die dem Leser auf ihren 350 Seiten trotzdem immer wieder selbst den Spiegel vorhält und dabei vor allem niemals langatmig wird.

Gerade diese Mischung aus komischer, skurriler Überzeichnung und gleichzeitig nachdenklich stimmenden Passagen macht München zu einer besonders empfehlenswerten Lektüre. Und damit zu meiner Leseempfehlung für den Monat August.