Buchtipp März 2009

Richard David Precht: Lenin kam nur bis Lüdenscheid. Meine kleine deutsche Revolution
List Tb 2007, 352 Seiten.
ISBN-13: 978-3548606965

Richard David Precht schreibt autobiografisch über seine Kindheit in der alten Bundesrepublik der 60er und 70er Jahre.

Als Kind westdeutscher Linker im provinziellen Solingen lernt er schon früh, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden: zwischen Sozialismus und Kapitalismus. Er wächst mit einem klaren Feindbild, den USA, auf, und natürlich ist Coca Cola ebenso verpönt wie Ketchup, Flipper oder Raumschiff Enterprise - dafür gibt es das GRIPS-Theater und Lieder von Degenhardt und Süverkrüp und das straflose Vollkritzeln von Kinderzimmerwänden.

Prechts Kindheits- und Jugenderinnerungen sind eine liebevolle Rückschau auf ein politisches Elternhaus - amüsant und nachdenklich, schließlich sitzt er als Sohn kommunistischer Eltern ständig zwischen den Stühlen: In der Schule sind die USA Freunde, zu Hause der Klassenfeind. Precht verteidigt sein Weltbild in der Schule mit Eifer, er schwärmt von Dynamo Kiew und der DDR.

Gerade für junge Leute gibt es in diesem Buch noch eine Menge zu lernen über die politischen 70er Jahre der alten Bundesrepublik, über die verschiedenen Strömungen der "Linken" und über die Auswirkungen des Baader-Meinhoff-Terrors.

Das Buch wurde im vergangenen Jahr verfilmt.

Über den Autor
Richard David Precht, geboren 1964, lebt als Schriftsteller und Publizist in Köln. Für seine journalistische Arbeit erhielt er mehrere Auszeichnungen. Er schrieb auch den Bestseller "Wer bin ich, und wenn ja, wie viele".