Buchtipp Oktober 2008

Anonyma: Eine Frau in Berlin.
btb 2008,
288 Seiten.
ISBN 10: 344273794X

Anlässlich der Verfilmung des Buchs „Anonyma – Eine Frau in Berlin“ mit Nina Hoss in der Hauptrolle ist eine Neuauflage erschienen, die nach wie vor unbedingt zu empfehlen ist.

Es ist keine leichte Kost, die hier vorgestellt wird. Das Buch ist ein erschütterndes und fürchterliches, aber so wichtiges Zeitdokument. Die Autorin, die ihre Identität nicht preisgeben wollte, schildert ihre Geschichte, die Erlebnisse einer deutschen Frau während der letzten Kriegswochen in Berlin. Sie schreibt ihr Leiden und Leben unter den brutalen Auswirkungen der russischen Eroberer Berlins auf, um sich mit dem Aufschreiben der Erlebnisse selbst zu therapieren und um berichten zu können über das eigentlich Unbeschreibbare.

In banger Erwartung vor den Russen, denen ein fürchterlicher Ruf vorauseilt, haben sich Hausgemeinschaften in Kellerlöchern verschanzt; junge Mädchen werden auf Dachböden versteckt. In den meisten Fällen nützte es nichts.

Der kühle und sachliche Stil der Autorin lässt die sich anschließenden Plünderungs- und Vergewaltigungsorgien umso drastischer wirken. Trotz allem erfahrenen Leid zeichnet sie ein differenziertes Russenbild. Ihre Russischkenntnisse erweisen sich in der folgenden Zeit, im „menschlichen Inferno“, als lebensrettend. Sie erkennt bald, dass sie einen Beschützer braucht: "Ein Wolf musste her, der mir die Wölfe vom Leibe hielt!"

Der Film, der am 23. Oktober 2008 in den deutschen Kinos anläuft, ist großartig adaptiert, mit einer überzeugenden und erschütternden Nina Hoss in der Hauptrolle – sehr sehenswert.

Klappentext:
Eine namenlose Frau erzählt von den letzten Tagen des Krieges im Frühjahr 1945 und dem Einmarsch der Roten Armee in Berlin: Schonungslos offen und mit einem feinsinnigen Gespür für diese geschichtsträchtige, beispiellose Zeit berichtet die vielleicht 30-Jährige von Hunger, Ekel und Angst. Und von plündernden Soldaten, die sie - und unzählige andere Frauen - mit roher Gewalt vergewaltigen. Doch statt Selbstmitleid oder Hass wächst in der jungen Frau ein unerschütterlicher Überlebenswille heran...