Buchtipp August 2008

Erhard Eppler,
Auslaumodell Staat?

Edition Suhrkamp 2005,
240 Seiten.
ISBN: 3518124625

Für uns Deutsche hat der Begriff Staat eine hohe Bedeutung. Er steht für Öffentlichkeit. Manch nationaler Nachbar würden sagen, die Deutschen haben ein autoritäres Verhältnis zum Staat und da ist auch was dran. Aber gerade durch die Erfogsgeschichten des Modells der sozialen Marktwirtschaft und des Wirtschaftswunders nach dem II. Weltkrieg steht für uns Deutsche Staat auch gerne für Sicherheit, Wohlstand, Verantwortung, Gerechtigkeit und Teilhabe.

Dieses Bild und unser Vertrauen in den Staat ist zweifellos blasser geworden. Teile der Gesellschaft sind vom Staat enttäuscht und ziehen sich ins Private zurück. Die deutsche Besonderheit war, Staat und Privatheit existierten immer gut nebeneinader. Aber der Staat war Grarant des Privaten. Dieses deutsche Duo bricht auf. Und schnell ist der Ruf da, der "Staat kann das nicht, das muss privat gemacht werden". Wir kennen dieses "Gottvertrauen in den Markt" seit den schottischen Moralphilosophen der frühen Neuzeit: "Der Markt regelt alles und dies besser als der Staat"!

Erhard Eppler, ehemaliger Bundesminister und einer der prägnantesten (Vor-) Denker der deutschen Sozialdemokratie, will den Staat nicht aufgeben. Er hält in einem lesenswerten und in Teilen begeisternden Pladoyer dagegen, dass wir uns angelsächsische Tendenzen der Staatsauflösung anschließen. Mit vielen Beispielen macht er deutlich, dass trotz Globalisierung und zweifellos auch in teilen Überforderung des Staates, weiterhin der Staat für den Großteil der Gesellschaft die einzig sichere Option für Teilhabe am Öffentlichen ist. Und letztlich bedeutet diese Teilhabe auch Sicherung des Privaten.

Dabei läßt Eppler aber Kritik am wachsendem Bürokratismus nicht aus. Wie er auch Grenzen der Möglichkeiten des Staates aufzeigt. Wegen dieser vielschichtigen Betrachtung ist das Buch nicht nur lesenswert, sondern macht auch Hoffnung für die Möglichkeiten des Politischen.