Das Hohe Haus. Ein Jahr im Parlament.

Roger Willemsen: Das Hohe Haus. Ein Jahr im Parlament.

S. Fischer, 398 S., 19,99 Euro, Taschenbuch – 13. August 2015 erschienen

Oft hab ich ihn das vorletzte Jahr auf der Besuchertribüne des Bundestages sitzen sehen – Roger Willemsen.

Erst später hab ich von dem Projekt erfahren, dass in seinem Buch Das Hohe Haus mündete. Wie bitter nun zu wissen, dass er dort nicht mehr sitzen wird, weil er viel zu früh verstorben ist. Aber gerade deshalb möchte ich sein Werk heute empfehlen.

 

Ich schätze sein Buch und seine Idee dazu, auch wenn Willemsen wenig schmeichelhaft über das Deutsche Parlament sagt: „Er leide am großen Ausstoß an Floskeln, die nicht mehr gefüllt werden" und ich in vielem nicht einverstanden bin mit seiner Unzufriedenheit am Alltag im Parlament.

 

Das ganzes Jahr 2013 mit 22 Sitzungswochen hat er im Hohen Haus auf der Zuschauertribüne gesessen, mitgeschrieben und alle Facetten des parlamentarischen Ablaufs miterlebt. Das Jahr 2013 war durch die Themen vom NSA-Skandal, Frauenquoten-Debatte, Bundestags-Wahlkampf, dem anschließenden Regierungswechsel, dem Verschwinden der FDP aus dem Hohen Haus und der SPD als neuem Regierungspartner geprägt. Ein spannendes Jahr!

 

Besonders viel Platz findet die Auseinandersetzung der Kanzlerin Angela Merkel mit dem Herausforderer Peer Steinbrück. Gerade auch im Hinblick darauf, dass man nun um zwei politische Jahre klüger ist, macht der Rückblick Spaß. Was hat sich schon damals abgezeichnet, was ist eine überraschende Entwicklung. Einen so angenehmen Rückblick auf das parlamentarische Jahr 2013 vermag natürlich kein stenografischer Bericht zu geben und deshalb lohnt der Blick ins Buch.

 

Alexander Mühle