Buchtipp Februar 2016: "Kindeswohl" von Ian McEwan

Der Februar Buchtipp errreichte mich per Mail  von Jens Hundrieser, ich bedanke ich herzlich für die tolle Buchempfehlung.

 

Fiona Maye ist eine 59-Jährige Richterin am High Court London. Sie muss nicht nur einen Seitensprung ihres Mannes hinnehmen, der bittet sie um ihre Zustimmung für eine Affäre mit einer jüngeren Frau,sondern steht auch beruflich vor einer schwierigen Entscheidung. Ein 17-Jähriger, der an Leukämie erkrankt ist, braucht dringend eine Bluttransfusion. Problem: Er und seine Eltern sind Anhänger der Zeugen Jehovas, die Bluttransfusionen grundsätzlich ablehnen und den Tod in Kauf nehmen. In einer Gerichtsverhandlung stehen sich die Vertreter des behandelnden Krankenhauses, die eine Transfusion fordern und die Anwälte der Eltern gegenüber. Die Richterin tut für ihre Urteilsfindung etwas Ungewöhnliches: Sie will nicht nur Informationen aus zweiter Hand, sondern unterbricht die Verhandlung um den ungewöhnlichen Jungen, der ebenfalls die Blutübernahme ablehnt, im Krankenhaus zu besuchen- eine folgenreiche Begegnung mit dem Jungen Adam, der sich offensichtlich in die Richterin verliebt, während sie über Tod und Leben entscheiden muss.

Der novellenhaft erzählte Roman ist sprachlich, erzählerisch und in seiner inhaltlichen Prägnanz und komprimierten Dichte ein Meisterwerk: fesselnde Lektüre mit psychologischem Tiefgang und menschlicher Anteilnahme. Ein literarischer Genuss.

 

Ian McEwan: Kindeswohl. Diogenes Verlag 2015. 22 Euro