Mai 2015: Ein ganzes Leben.

Robert Seethaler: Ein ganzes Leben. 155 Seiten, Hanser-Verlag Berlin.

„Noch einen?“, fragte die junge Frau und Egger nickte. Sie brachte ein neues Glas, und als sie sich nach vorne beugte, um es auf den Tisch zu stellen, berührte sie mit einer Falte ihrer Bluse seinen Oberarm. Die Berührung war kaum zu spüren, doch hinterließ sie einen feinen Schmerz, der mi jeder Sekunde tiefer in sein Fleisch zu sinken schien. Er sah sie an, und sie lächelte.

Sein Leben lang dachte Andreas Egger immer wieder an diesen Augenblick zurück, an dieses kurze Lächeln an jenem Nachmittag vor dem leise prasselnden Wirthausofen.

Das Leben von Andreas Egger währte lang. Wie lang, das wusste auch er nicht, denn sein genaues Geburtsdatum kannte er nicht, und damit niemand. Der Roman erzählt sein ganzes Leben, bis zum Ende. Er ist Knecht, Holzfäller, Arbeiter beim Seilbahnbau, nicht die Alpen sind seine Heimat, es ist ein kleines Tal. Er ist genügsam, er liebt, er nimmt jeden Tag, wie er kommt. Ein schlichter Mann? Ein einfaches Herz? Rezensionen beschreiben es so. Ich finde keine passende Beschreibung. Ich empfehle: Lassen sie sich berühren!