Marcus Biewener: Schülerpraktiktant im Berliner Büro von Gabriele Lösekrug-Möller

Praktikant Marcus Biewener April 2014
 

Praktikant Marcus Biewener April 2014

 

Was bedeutet eigentlich parlamentarische Arbeit? Wie genau sind die Anforderungen, die tagtäglich an die Abgeordneten und ihre MitarbeiterInnen gestellt werden?

Diesen und viele weiteren Fragen wollte ich nachgehen und so entschied ich mich für eine Bewerbung um ein Praktikum bei Gabriele Lösekrug-Möller.

 

Nach positiver Rückmeldung ging es dann auch am frühen Morgen des 07. Aprils in Hameln - dem Herzen von LöMös Wahlkreis – los nach Berlin. Die Bahn machte zwar noch einen kleinen Strich durch die Rechnung, mit einer Stunde Verspätung konnte ich dann aber im Paul-Löbe-Haus durchstarten.

Erster Eindruck – anders als gedacht. Und das nicht nur in Hinblick auf die Arbeit, sondern auf die Größe, des Bundestags-Komplexes.
Schon alleine die große Halle im Paul-Löbe-Haus, mit seiner Länge von 200 Metern, spricht für sich.

Doch die wahre Größe zeigt sich erst in den Büros. Ausführlich konnte ich gemeinsam mit LöMös Mitarbeitern die Woche durchsprechen und dabei noch viele interessante Tipps und Impulse mitnehmen. Hier lässt sich schon gut abschätzen, dass ein Großteil der eigentlichen Arbeit außerhalb des uns allen guten bekannten Plenarsaals stattfindet, sondern in den Ausschüssen und Büros unserer 600 Abgeordneten und den rund 9000 MitarbeiterInnen des Bundestags.

Eine schnelle Hausführung durch den Komplex aus Paul-Löbe-Haus, Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, Jakob-Kaiser-Haus sowie Reichstagsgebäude verschaffte darüber hinaus einen guten Überblick über das weitverzweigte Netz an Räumen und Sälen.

Am Nachmittag konnte ich dann bereits möglichst selbstständig in die Arbeit des Bundestags hineinschnuppern.

Eins lässt sich wohl jetzt bereits festhalten. Die schon hohen Erwartungen wurden nochmals um Einiges übertroffen.

Und wie die parlamentarische Arbeit im Detail ausschaut werde ich im Laufe der Woche von Tag zu Tag besser beantworten können – mein voller und vielfältiger Terminkalender wird dabei helfen.

Am zweiten Tag meines Praktikums konnte ich bereits an den Sitzungen der ersten beiden Arbeitsgruppen teilnehmen.

Um 9.00 Uhr startete ich mit der Sitzung der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales - wobei eine Arbeitsgruppe immer ein fraktionsinternes Gremien ist.
Da in dieser Woche die ersten Haushaltsberatungen stattfinden, war dies natürlich auch der Schwerpunkt innerhalb der Ausschusssitzung. Hierbei handelt es sich auch um den größten Bundeshaushalt, mit einer Plansumme von über 120 Milliarden Euro. Eine in meinen Augen beeindruckende und nur schwer vorstellbare Summe.

Doch nicht nur um Finanzen geht es in den Arbeitsgruppen, wie sich besonders in der anschließenden Sitzung der Gruppe Wirtschaftliche Zusammenarbeit zeigte, die als Gast Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe, eingeladen hatte.
Frau Dieckmann konnte dabei besonders interessante und vielschichtige Einblicke in unsere Afrika- und Nahostpolitik bieten.
Für mich persönlich kann ich aus der Sitzung mitnehmen, dass wir dort teils sehr verzehrte Sichtweisen auf die Vorgänge haben und uns viel stärker einbringen müssen, um einerseits das Menschrecht auf Nahrung zu sichern, von dem 840 Millionen BürgerInnen dieser Welt noch keinen Gebrauch machen können, andererseits aber auch dort soziale Sicherungssystem eine größere Rolle spielen müssen – keine sozialen Disparitäten zwischen Arm und Reich.

Der Tag wurde auch heute wieder mit vielen weiteren kleinen und großen Aufgaben rund um die tägliche Arbeit im Abgeordneten-Büro abgerundet und zeigte wieder viele weitere Facetten der Arbeit im parlamentarischen Betrieb auf.

Kellerfoto

Unterwegs in und unter den Gebäuden des Deutschen Bundestages, Foto: Marcus Biewener

Mein dritter Tag startete heute nicht wie sonst im Paul-Löbe-Haus, sondern im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das Haus, in dem LöMö auch parlamentarische Staatssekretärin ist.

Dabei hatte ich das Glück, mich an eine junge Besuchergruppe hängen zu können, sodass wir nach einem kurzen Impulsvortrag sehr intensiv über die aktuellen Entwicklung der sozialen Sicherungssysteme und deren Bedeutung für uns junge Leute diskutieren konnten.
Dort fallen viele Stichpunkte zusammen, von Generationengerechtigkeit, Fachkräfte-Mangel und Bedarf, aber auch Arbeitsbelastung und Fürsorgepflicht.

Vom Fachkräfte-Mangel aus konnten wir auch schnell zum Thema der Ost-Erweiterung des Arbeitsmarkts wechseln.
Oft wird hier nämlich dargestellt, dass dort besonders eine Armuts-Zuwanderung stattfindet, dem konnten wir dann jedoch einstimmig widersprechen, da ein Großteil der Zuwanderer besonders die Fachkräfte sind, die wir in Deutschland benötigen.

Viele interessante Impulse wurden dabei angesprochen und gaben Anregungen für weitere Gespräche.

Doch damit war mein Tag noch nicht zu Ende, vom BMAS aus ging es zügig in den Bundestag, wo ich an meiner ersten Plenarsitzung teilnehmen konnte. Hier wird aktuell der neue Bundeshaushalt debattiert und zu diesem Zeitpunkt unter anderem der des Auswärtigen Amtes, sodass unser Außenminister Frank-Walter Steinmeier zu Beginn nochmals den aktuellen Stand, die Entwicklungen und die möglichen Prognosen für die Krim-Krise darstellte. Aktuell wohl ein sehr bedeutsames und wichtiges Thema für die Bundesrepublik und auch die Europäische Union.

Den Tageabschluss macht dann noch eine Führung durch das Willy-Brandt-Haus, welches auch Parteizentral der SPD ist. Ein interessantes und gut durchdachtes Bauwerk. Einerseits architektonisch, als auch energetisch und städtebaulich.

Auf dem Rückweg war dann auch noch Zeit für einen Abstecher ins Bundestagsbüro, in welchem ich dann noch erste Vorbereitungen für Veranstaltungen von LöMö traf, bevor ich mich wieder glücklich, aber auch erschöpft in den Feierabend verabschieden konnte.

Alles in allem also auch heute wieder ein ganz anderer Tag, mit anderen Abläufen und anderen Inhalten. An Vielschichtigkeit mangelt es hier definitiv nicht und ich bewundere von Tag zu Tag die Arbeit der MitarbeiterInnen des Bundestags und seiner Abgeordneten immer mehr.

Fraktionsebene Reichstag.JPG

Foto: Marcus Biewener