Buchtipp Juni 2013: Gerechtigkeit. Wie wir das Richtige tun.

Diesen Monat kommt der Buchtipp von unserem Praktikanten Nils Heisterhagen.

Michael Sandel gehört zu einer Gruppe von Liberalismuskritikern, die sich Kommunitarier nennen, und die die Bürger des Westens wieder zu gemeinsamen Handeln bringen wollen. Die Kommunitarier wollen zeigen, dass der Mensch tugendhaft agieren kann, dass er mehr ist und kann als dieses „ungebundene Selbst“, welches aus allen engen Bindungen zu anderen Menschen entbunden scheint und diese Entbindung auch befürwortet und daher sich berechtigt fühlt egoistisch oder subjektiv zu handeln. Sie glauben auch daran, dass Demokratie nicht konfrontativ sein muss, sondern vielmehr kooperativ sein kann, eben weil der Mensch fähig sei, sich nach dem Gemeinwohl zu richten.

Die Debatte zwischen Liberalen und Kommunitariern ist aber nicht nur eine Demokratiedebatte, sie ist vor allem eine Debatte für Gerechtigkeit. In Sandels neusten für eine breite Leserschaft bestimmten Buch geht es genau um dies, um die Frage worin die Gerechtigkeit bestehen könnte. Er diskutiert nicht nur moralisch und gerechtigkeitstheoretische Fragen wie, ob Verkäufer nach einem heftigen Sturm die Preise für dringend benötigte Dinge hochsetzen dürfen, oder was in bestimmten moralischen Dilemmasituationen zu tun sei, sondern setzt sich auch mit den großen Denkrichtungen der gegenwärtigen politischen Philosophie auseinander, wie dem Utilitarismus, dem Libertarianismus, John Rawls Theorie der Gerechtigkeit etc.

Herr Sandel möchte gerne über Gerechtigkeit reden und viele nehmen sein Gesprächsangebot an. So hat sich jüngst der Kanzlerkandidat der SPD Peer Steinbrück mit Herrn Sandel zum Gespräch über Gerechtigkeit getroffen (einzusehen im Philosophiemagazin Nr.4. 2013). Sie sprachen über Gerechtigkeit und Gemeinsinn, über die USA und über Europa. Und der Theoretiker und der Praktiker waren sich doch in einer Sache sehr einig: Im Westen muss sich etwas ändern!

Michael J. Sandel: Gerechtigkeit. Wie wir das Richtige tun. Die deutsche Ausgabe ist im Ullsteinverlag veröffentlicht. ISBN: 978-3-550-08009-8.