MdB Gabriele Lösekrug-Möller zur öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses

 

Zur heutigen öffentlichen Beratung von Petitionen zur Stellung von Hochschulabsolventen in Praktika erklären die Sprecherin der Arbeitsgruppe Petitionen der SPD-Bundestagsfraktion, Gabriele Lösekrug-Möller, und der zuständige Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion, Swen Schulz:

Im Gespräch mit den Petenten und den Vertretern der Bundesregierung ist deutlich geworden, dass zusätzliche Maßnahmen zum Schutz von Praktikantinnen und Praktikanten nötig sind.

Über 100.000 Unterstützer der beiden Petitionen, die aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung und der Freien Universität Berlin, zahlreiche Erfahrungsberichte:
all das macht hinreichend deutlich, dass es neben vielen sinnvollen und fairen Praktika auch so genannte Scheinpraktika gibt, in denen Absolventen als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden. Darüber hinaus sind von diesem Problem offenbar nicht nur Hochschulabsolventen betroffen, sondern vermehrt auch Schulabgänger und Absolventen einer beruflichen Ausbildung.

Wir sollten darum die Abgrenzung von Praktika und Arbeit klarer gestalten. Dazu gehören etwa ein schriftlicher Vertrag und eine Beschreibung der Tätigkeiten im Praktikum. Weiterhin ist die Dauer von Praktika ein zentraler Punkt. Je länger ein Praktikum dauert, desto wahrscheinlicher wird, dass der Arbeitsanteil steigt und der Lernanteil sinkt. Ein Akademiker ist nach über sechs Monaten Beschäftigung in einer Werbeagentur wohl kaum noch als Praktikant zu bezeichnen. Auch eine Höchstdauer von Praktika muss diskutiert werden.

Unser Ziel ist jedoch, sinnvolle und faire Praktika nicht durch neue Regelungen zu behindern. Die Rede von der „Generation Praktikum“ verdeckt die Tatsache, dass es sich in der Mehrzahl um unterstützenswerte Praktika handelt, die Einblicke in die berufliche Praxis vermitteln und die Beschäftigungschancen erhöhen. Umso wichtiger ist, dass wir die Rechtslage mit Augenmaß verbessern und die Ausbeutung von Absolventinnen und Absolventen bekämpfen.