Buchtipp April 2007

Atiq Rahimi: Erde und Asche.

„Auf einer staubigen Landstraße wartet ein alter Mann mit seinem Enkel auf einen Lastwagen. Er ist geduldig, denn der Wagen, der ihn mitnimmt, bringt ihn zwar dem Sohn näher, aber auch dem grausamen Moment der Wahrheit. Das Herz schwer von Trauer, weiß der alte Mann, dass er es tun muss: dem Sohn die traurige Nachricht überbringen. Vom Tod der Frau, der Mutter, der ganzen Familie. Und so ist dem Alten jede Sekunde kostbar, die ihm Aufschub gewährt. Um die richtigen Worte zu finden, die es nicht gibt. Um eine Gewalt zu erklären, die gleichgültig ist gegenüber Menschen und ihrem Schmerz.“
(Klappentext)

Atiq Rahimi erschafft mit seinem Buch ein eindrucksvolles Bild. Die karge und doch poetische Sprache vermittelt den Geschmack des Sandsturmes, das Gefühl von getrockneten Tränen in der gleißenden Sonne so, dass man sich während des Lesens beim trockenen Schlucken erwischt, um Hitze und Sand aus dem Mund zu spülen.

Auf eine völlig andere Art und Weise bekommt man Einblick in ein Land und seine Menschen, von dem wir bisher oft nur von der Kriegsberichterstattung hörten: Afghanistan.

Dieses Buch hilft, sich mit der Mentalität der Menschen vertraut zu machen, ohne dabei die Tristesse ihrer Lebenslage zu vergessen.

„Ein Roman, der die Magie einer kargen, poetischen Sprache nutzt, um die Welt des alten Mannes vor unseren Augen lebendig werden zu lassen, aber auch seine Innenwelt, seine Gedanken, seine Gefühle. Eindrückliche Bilder sind es, die so entstehen, mit großer Zurückhaltung beschrieben. Bilder, die Afghanistan zeigen – vor allem aber die gleichgültige Macht des Krieges zu zerstören, zu trennen.“
(Klappentext)

Roman. Claasen Verlag GmbH; München 2001; 99 Seiten; 6, 95 €

Diesen Buchtipp verfasste Bastian Thöle aus Aerzen/Bamberg für uns, Juso und Ex-Praktikant von Lömö. Vielen Dank!