Buchtipp März 2007

Irene Dische: Großmama packt aus.

„Wehe, wenn sie damit anfängt, ihre Geschichte zu erzählen! Dann nimmt Elisabeth Rother, die gute Katholikin aus dem Rheinland, kein Blatt vor den Mund, ganz egal, ob es sich um ihr Ehebett, um die Juden, um den Lieben Gott oder um die Gestapo handelt. Aber es gibt keine Katastrophe, nicht einmal die Flucht nach Amerika oder der Zweite Weltkrieg, die sie so sehr beschäftigt wie ihr weit verzweigter Clan.“ (Klappentext)

Irene Dische, Deutsch-Amerikanerin, hat eine ungewöhnliche Autobiographie geschrieben. Wie der Titel schon vermuten lässt, ist dieser Lebensbericht aus der Sicht ihrer Großmutter erzählt, die nicht zimperlich mit ihrer Familie umgeht.

Die Ich-Erzählerin und Großmutter spannt den Bogen über ein ganzes Jahrhundert und rekapituliert noch aus dem Grab das Leben dreier Frauengenerationen. Die Autorin lässt ihre Großmutter als Schelmin zu Wort kommen, die sich abrackert für ihre anstrengende Mischpoke mit einem herzlichen Widerwillen, der von Liebe quasi nicht zu unterscheiden ist.

Irene Dische hat mit dieser gewitzten Erzählweise ein tragikomisches Buch geschrieben, das ungezwungen und amüsant eine Familiensaga beschreibt, die auch die düsteren Zeiten der deutschen Geschichte umfasst.

Über die Autorin:
Irene Dische, eine geborene New Yorkerin, lebt in Berlin und Rhinebeck. In ihrem Buch „Fromme Lügen“ (1989) kommt ihr Familienclan zum ersten Mal vor.


Roman. Hoffmann und Campe, Hamburg 2005. 368 Seiten, 23 €.