Buchtipp Februar 2012

Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Roman, Verlag carl's books 2011, ISBN 978-3570585016, 14,99 €.

 

An seinem 100. Geburtstag beschließt Allan Karlsson aus dem Fenster zu steigen und sich aus dem Staub zu machen. Er hat keine Lust auf eine große Feier mit dem Bürgermeister und der Lokalpresse. Sowieso gefällt es ihm im Altersheim nicht. Doch dass er in seinem hohen Alter noch ein so großes Abenteuer erleben würde, konnte er nun wirklich nicht ahnen.

Alles beginnt mit einem Koffer voller Geld, den er durch Zufall findet. Wie sooft in seinem Leben gerät er in von einem Schlamassel in den nächsten. Plötzlich wird er von einem Mitglied der Bande „Never Again“ verfolgt, der seinen wertvollen Koffer wieder haben möchte.

Allerdings ist diese Geschichte nicht ganz so aufregend wie damals, als er sowohl den Amerikanern als auch den Russen dabei half, die Bombe zu entwickeln. Oder als er fast in Nordkorea auf seiner Flucht aus Vladivostock, bei der er von Herbert Einstein, Albert Einsteins Halbbruder, begleitet wurde, von Kim Il-sung zum Tode verurteilt worden wäre, wenn nicht Mao, dessen Frau Allan einmal gerettet hatte, zufälligerweise anwesend war und ihn aus Dankbarkeit vor dem Tod bewahrte.

Immer wieder geriet er zwischen die Fronten. Mal fand er sich bei den Kommunisten, mal bei den Kapitalisten. Allan selbst war aber vollkommen unpolitisch. Ihm kam es lediglich darauf an, dass er ausreichend Schnaps und Essen bekam. Und das war bei allen Staatsoberhäuptern, die er im Laufe der Zeit traf, immer am besten. Im Gegenzug half er auch gerne mit seinen Fähigkeiten als Sprengstoffexperte aus.

Jonas Jonasson erzählt geschickt zwei Handlungsstränge parallel. Den Roadtrip, bei dem zwei „Never Aigain“-Mitglieder ums Leben kommen, einerseits, und andererseits Allans ganze Lebensgeschichte, in dessen Kontext Joansson einen Abriss des 20. Jahrhunderts aus Allans naiver Sicht gibt.

Dabei schreibt er in einer so heiteren und leichten Art, dass man den Eindruck bekommt, Ereignisse wie zum Beispiel der kalte Krieg wären zufällig passiert und wären eigentlich auch gar nicht so schlimm gewesen, jedenfalls in Allans Augen.

Ironisch, zynisch, humorvoll…das Buch regt zum Nachdenken an, ohne jedoch zu tiefgründig zu sein. Es ist jedem zu empfehlen, der mal eine Pause vom Ernst des Lebens braucht.