Lömö als Landesgruppenvorsitzende im Vorwärts: Wir haben Topspielerinnen und Topspieler

2011 Gabriele Oktober neu
 

Die neue Vorsitzende der SPD-Landesgruppe Niedersachsen, Gabriele Lösekrug-Möller, will an die erfolgreiche Arbeit ihres Vorgängers Holger Ortel anknüpfen – und sich dafür einsetzen, dass nach der Bundestagswahl 2013 jeder Wahlkreis in Niedersachsen wieder von einer/m SPD-Abgeordneten verteten wird.

Vorwärts: Herzlichen Glückwunsch! Du bist seit genau 10 Jahren Mitglied des Bundestages. Wie wurdest du damals in der Landesgruppe begrüßt?

Gabriele Lösekrug-Möller: Bei meiner ersten Sitzung der Landesgruppe war Peter Struck zugegen und begrüßte mich auf seine kernige Art. Zu Hause sei man eine Prinzessin, aber in Berlin stelle man sich ganz hinten in der Reihe an. Das war sein Hinweis darauf, wie wichtig es ist in Berlin Team-Player zu sein.

Vorwärts: Worin siehst du deine Hauptaufgabe als Landesgruppenvorsitzende?

Gabriele Lösekrug-Möller: Ich will uns mal mit einer Fußballmannschaft ver-gleichen. Wir haben Topspielerinnen und –spieler. Ich habe jetzt die „Armbinde“ des Mannschaftskapitäns von Holger Ortel übernommen. Mir ist wichtig, dass die Kompetenzen unserer Fachleuteinnerhalb der Fraktion und nach außen zur Geltung kommen und unserem Bundesland nutzen.

Vorwärts: Gibt es irgendwas, was du unbedingt so weiter machen möchtest wie bisher?

Lösekrug-Möller: Ehrlich gesagt: Das Meiste! Ich finde, dass diese Landesgruppe vor-bildliche Arbeit leistet bezogen auf Kontakte zu großen Gruppen und Verbänden in Niedersachsen. Holger Ortel hat das prima gemacht. Zum Beispiel den Kontakt zu Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften, Krankenkassen oder Feuerwehren. Daran will ich unbedingt anknüpfen.

Vorwärts: Elf Bundestagswahlkreise haben keinen direkten SPD-Abgeordneten. Wie helft ihr euren Genossinnen und Genossen vor Ort?

Lösekrug-Möller: Wir haben dafür gesorgt, dass es keine weißen Flecken gibt. Das bedeutet für viele Kolleginnen und Kollegen erheblich mehr Arbeit. Aber auch sie haben Interesse daran, dass wir sagen können: Die Bundestagsabgeordneten sind überall präsent. Das klappt gut, aber wir wollen uns damit nicht zufrieden geben. Unser Ziel ist, dass wir nach der nächsten Bundestagswahl2013 wieder in jedem Wahlkreis Abgeordnete haben.

Vorwärts: Aus euren Reihen kommen prominente Bundespolitiker. Verschafft das deiner Landesgruppe Vorteile zu Gunsten Niedersachsens?

Lösekrug-Möller: Wenn man in die150-jährige Geschichte der SPD blickt, kann man sagen: Viele führende Köpfe kamen aus Niedersachsen und sozialdemokra-tisch geführte Landes- und Bundesregierungen haben immer gut zusammengear-beitet. Daran wollen wir 2013 anknüpfen. Zur Zeit erleben wir, das Schwarz-Gelb Niedersachsen nicht gut tut.

Vorwärts: Mit Herrn Rösler und Frau von der Leyen ist auch die Konkurrenz am Kabinettstisch in Berlin prominent vertreten. Da müsste man doch meinen, Niedersachsen ist im Bund gut vertreten?

Lösekrug-Möller: Ich erlebe Frau von der Leyen unmittelbar im Ausschuss Arbeit und Soziales. Wenn wir sie nicht an den Worten, sondern an den Taten messen, dann komme ich bei Frau von der Leyen zu keinem guten Ergebnis. Herrn Rösler haben wir in wechselnden Funktionenerlebt. Als Gesundheitsminister hat er seine Hausaufgaben nicht erledigt und dem Nachfolger ganz dicke Pakete hinterlassen. Was er als Wirtschaftsministermachen wird, da bin ich ganz gespannt, bisher war da nicht viel.

Vorwärts: Machst du der Bundesregierung den Vorwurf, dass sie den Norden vom Süden abkoppelt?

Lösekrug-Möller: Ich schaue da auf die Infrastrukturpolitik und sehe mit Sorge die regionale Platzierung von Verkehrsprojekten. Da bekommt man schon den Eindruck der Süden der Republik ist im Vorteil. Wenn es aber um die Nachteile geht, ich meine zum Beispiel die Endlagerfrage, da ist der Norden wieder dran. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Vorwärts: Du mahnst an, Sozialsysteme und Arbeitsmarkt dringend zu reformieren. Was meinst du mit so einer großen Kernforderung?

Lösekrug-Möller: Wir müssen uns als Gesellschaft fragen: Wie schaffen wir altersgerechte Arbeitsplätze, wie qualifizieren wir die vielen erwerbsfähigen Menschen ohne Job? Wie gehen wir mit den Personen um, die erwerbsgemindert sind, weil die Arbeit sie krank gemacht hat? Der Einstieg in Ausbildung und Beruf ist ganz schlecht aufgehoben beider jetzigen Regierung. Jedes Jahr verlassen 64000 Schüler ohne Abschluss die Schule. Das darf nicht so bleiben. WeilBildung, Ausbildung und Weiterbildung die Schlüssel für Erfolg im Arbeitsmarktsind, müssen wir hier investieren und zugleich für Ordnung am Arbeitsmarktsorgen damit atypische Beschäftigungsverhältnisse zurückgedrängt werden. Zusammen mit dem solidarischen Ansatz einer Bürgerversicherung schafft das bestmögliche soziale Sicherheit.

Vorwärts: Glaubst du, dass es auch bei älteren Menschen einen zunehmen-den Bedarf an Infrastruktur gibt?

Lösekrug-Möller: Ich gehöre zu einer Generation, die deutlich älter wird als die vorigen Generationen. Wir werden zum Glück nicht automatisch betreuungsbe-dürftig, wenn wir aus dem Berufsleben aussteigen. Dann gibt es, wenn man Glück hat, zwei oder mehr Jahrzehnteaktiven Lebens. Das ist die gute Nachricht. Und ja, Betreuungs- und Pflegebedarfe entstehen auch. Wir müssen des-halb eine Infrastruktur entwickeln, die hilft, dass wir, auch wenn wir Hilfe brauchen, so leben können wie wir wollen..

Das Gespräch führte Lars Wegener.

 

Lömö als Landesgruppenvorsitzende im Interview mit dem Vorwärts