Tod bin Ladens: Erleichterung und bleibende Aufgabe

 

Viele Jahre hat man auf diese Nachricht gewartet. Der Tod des Massenmordplaners bin Laden erinnert noch einmal an die vielen unschuldigen Opfer der menschenverachtenden Anschläge seiner Organisation Al Qaida. Der Jubel bei den Opferfamilien und der ganzen amerikanischen Nation ist nachvollziehbar. Dieser Erfolg wird die Präsidentschaft Barack Obamas nachhaltig und wie nichts anderes prägen.

 

Genauso überzeugend sind die Warnungen, jetzt bei aller Genugtuung nicht die aktuellen Gefahren zu vernachlässigen.
Gerade wegen der Bedeutung bin Ladens fuer den globalen Netzwerkterrorismus müssen wir ab sofort mit spontanen und blutigen Lebensbeweisen von Al Qaida rechnen.

Über den Tag dieser erfolgreichen Operation im Kampf gegen die Strukturen des Terrors hinaus, bleibt eine Aufgabe unverändert auf der Tagesordnung: die Prävention. Osama bin Laden wollte mit den Anschlägen vom 11. September 2001 den "Kampf der Kulturen" auslösen.

Das ist ihm nicht gelungen, und es ist gut, dass der neue US-Präsident Obama Anstrengungen zu einem fairen Dialog zwischen Westen und Islam begonnen hat. Aber ohne Erfolge bei der Lösung des Nahostkonflikts und anderer Regionalkonflikte, bei der Stabilisierung "scheiternder Staaten" und beim Einsatz für eine gerechtere Weltordnung bleibt die Gefahr der hydraartigen Ausbreitung von Terroraktivitäten bestehen - auch nach dem Tode von Osama bin Laden. Der Erfolg im fernen Abbottabad sollte uns diese Aufgaben für keine Minute vergessen lassen.