IAB-Studie belegt Zunahme prekärer Beschäftigung

Gabriele Banner 2009
 

Eine vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) herausgegebene Studie zeigt, dass die Arbeitswelt weiter auseinander driftet. Zwar arbeiten die Deutschen im Schnitt rund zehn Jahre bei einem Unternehmen und 60 Prozent von ihnen haben eine unbefristete Stelle. Gabriele Lösekrug-Möller aber ist besorgt über die nachgewiesene Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse:

„Wenn Arbeitnehmer sich auch gesellschaftlich ausgegrenzt fühlen, weil sie als Leiharbeiter beschäftigt sind, dann ist das sehr problematisch.“ Dass davon immer mehr Arbeitnehmer betroffen sind, belegt die Studie deutlich. Etwa 180 000 Leiharbeiter gab es in Deutschland vor fünfzehn Jahren. Heute sind es bereits fast fünfmal so viele – nämlich mehr als 800 000.

Auch befristete Arbeitsverhältnisse sind keine Seltenheit. Jeder zweite deutsche Arbeitnehmer bekommt zunächst einen befristeten Vertrag. Besonders betroffen sind davon Berufseinsteiger. Das verlangt ihnen einiges ab und setzt viele unter Druck. LöMö: „Menschen mit befristeten Stellen können kaum planen, müssen immer flexibel sein und möglichst bleiben. Das ist ein hoher psychischer Druck und beeinflusst natürlich die Lebens- und Familienplanung.“

Trotz allem sei das normale Arbeitsverhältnis, also eine unbefristete, sozial- versicherungspflichtige Vollzeitstelle, IAB-Direktor Joachim Möller zufolge aber kein Auslaufmodell. Die Studie zeigt nämlich auch, dass Mitarbeiter heute durchschnittlich 10,8 Jahre in einem Unternehmen beschäftigt sind. Dieser Wert hat im Vergleich zu vor zwanzig Jahren sogar ein wenig zugenommen.

„Das sollte aber nicht von den negativen Erkenntnissen der Studie ablenken“, so Lösekrug-Möller weiter. Es gäbe genügend „Baustellen“, die zu beackern seien. Auch der Rückgang normaler Beschäftigungsverhältnisse bei Frauen gehöre dazu.