Buchtipp Juli 2006

Clemens Meyer
„Als wir träumten“


„Sie träumen vom Aufstieg ihrer Fußballmannschaft, von einer richtigen Liebe und davon, dass irgendwo ein besseres Leben wartet. Rico, Mark, Paul und Daniel wachsen auf im Leipzig der Nachwendejahre, in einem Viertel, dessen Mittelpunkt die Brauerei ist. Jede Nacht ziehen sie durch die Straßen. Sie feiern, sie randalieren, sie fliehen vor den Glatzen, ihren Eltern und der Zukunft. Sie kämpfen mit Fäusten um Anerkennung und schlagen die Zeit tot. Sie saufen, sie klauen, sind cool und fertig und träumen vom eigenen Leben. Alle ihre Fluchtversuche enden auf den Fluren des Polizeireviers Südost.“

Es ist kein einfaches Buch, das der 1977 geborene Clemens Meyer verfasst hat. Und dennoch kann man nur schwer davon lassen, es zieht seine Leserschaft in den Bann. Der Protagonist Daniel erinnert sich in gleichen Geschichten mit den gleichen Freunden an immer gleichen Orten. Er erlebt mit seiner Clique Gewalt und Tragik genau so wie Orientierungslosigkeit und Leere.

Gedankensprünge sind nicht selten in diesem Roman, und ich hatte den Eindruck, dass der Autor seine Gedanken „ganz pur“ zu Papier gebracht hat. Doch man geht als Leserin nie verloren. Auch die Chronologie spielt keine Rolle, was ebenfalls einen großen Reiz im Lesefluss ausmacht.

Auch wenn es ein sehr langer und rauer Roman ist: Es lohnt sich in diese dunkle Welt der Wendezeit im Osten Leipzigs abzutauchen.

Das Buch wurde vorgeschlagen für den Ingeborg-Bachmann-Preis 2006.

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 3100486005,
Gebunden, 524 Seiten, 19,90 EUR