Feierliches Gelöbnis in der Medem Kaserne Holzminden

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Anlässlich des öffentlichen feierlichen Gelöbnisses in der Medem Kaserne in Holzminden hielt Gabriele Lösekrug-Möller vor den Rekruten des Panzerpionierbataillion 1, Holzminden und den Rekruten des ABC- Abwehrbataillion 7, Höxter, die Gelöbnisrede, die Sie im Anschluss lesen können.

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Meine Damen und Herren Offiziere, Unteroffiziere, Soldatinnen und Soldaten, Verehrte Ehrengäste, meine Damen und Herren, vor allem aber: Liebe Rekruten!

Sie stehen heute im Mittelpunkt. Unsere ganze Aufmerksamkeit gilt Ihnen, denn Sie leisten heute einen ganz besonderen Eid.
Es ist ein großes Versprechen, dass sie hier in Anwesenheit vieler Gäste, ihrer Freunde und Eltern und vor aller Öffentlichkeit abgeben.

Liebe Rekruten,
Und warum, werden sich einige von Ihnen fragen, spricht ein Mitglied des Deutschen Bundestages zu Ihnen?
Unsere Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee und erfüllt wichtige Aufgaben für unser Land, für alle Bürgerinnen und Bürger. Sie gehört weder einer Regierung noch einer Partei, sondern ist Teil unserer ganzen Gesellschaft.
Öffentliche Gelöbnisse sind eine Möglichkeit zu demonstrieren, dass diese Integration gewollt ist.
Öffentliche Gelöbnisse sind sichtbarer Ausdruck dafür, dass die Bundeswehr in der Mitte der Gesellschaft steht.

Wer allerdings Öffentlichkeit nur außerhalb von Kasernenanlagen hergestellt sieht, der muss sich fragen lassen, welches Bild er von dem vermittelt, was sich im Inneren der Kasernen tut.
So freue ich mich darüber, dass wir heute, nach vielen Gelöbnissen in den Städten und Gemeinden im Landkreis Holzminden, nun einmal wieder hier in der Medem-Kaserne sind.

Liebe Rekruten,
Die Soldaten der Bundeswehr leiten ihren Auftrag aus dem Willen des Volkes her. Öffentlich - sozusagen vor ihrem Auftraggeber - bekennen sie sich zur Treue gegenüber unserer Werteordnung, die auf unserer Verfassung beruht.

Sie, liebe Rekruten, werden im Anschluss die Gelöbnisformel sprechen und sich somit zu Ihren grundgesetzlichen Verpflichtungen bekennen. Mit dem Aussprechen dieser Gelöbnisformel treten Sie ein für die Prinzipien unseres Grundgesetzes:
* für Rechtstaatlichkeit,
* persönliche Grund- und Freiheitsrechte,
* das Recht auf freie Meinungsäußerung,
* die freie Entfaltung der Persönlichkeit,
* die Freiheit des Glaubens und des Gewissens,
* für die Versammlungsfreiheit,
* die Koalitionsfreiheit,
* die Freiheit der Berufswahl,
und weitere Menschen- und Bürgerrechte.

Mehr als sechs Jahrzehnte können wir auf diese gelebten Rechte in der Bundesrepublik zurückblicken. Wir leben in dem Glück friedlich wiedervereint zu sein und haben Grund stolz zu sein auf die gelebten Friedens- Freiheits- und Menschenrechte, die sie Heute zu schützen geloben.

Im Wandel dieser Jahrzehnte haben sich Struktur und Aufgaben der Bundeswehr verändert, ihr Auftrag nicht. Es sind stürmische Zeiten für die Bundeswehr als Organisation. Wie viele Soldaten werden wir zukünftig haben? Wie wird sich das Aussetzen der Wehrpflicht auswirken? Wie geht es für die zivilen Beschäftigten der Bundeswehr weiter? Bleibt die Bundeswehr in Holzminden?
Ich sehe vieles davon kritisch und mit großer Sorge.

Liebe Rekruten;
Doch was hat Bestand?
Eingebunden in das Nordatlantische Bündnis, eingesetzt im Ausland auf der Grundlage von UN-Mandaten, leisten deutsche Soldatinnen und Soldaten, auch des Panzerpionierbataillons 1, wertvolle Hilfe, dem global agierenden Terrorismus Einhalt zu gebieten und Menschen ein Leben in Achtung der Menschenrechte zu ermöglichen.

Mich berührt dieses Thema sehr. Auch heute will ich erneut darüber sprechen.
Ich habe das große Glück, in Frieden hinein geboren worden zu sein, in Freiheit groß geworden zu sein. Weder meinen Eltern, noch meinen Großeltern, ja kaum einer Generation vor uns war dies mitten in Europa möglich.

Jede Erinnerung an meinen Vater ist verbunden mit der Erinnerung an seine Narben im Gesicht. Er war verwundet worden in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges. Damals war er ein junger Mann gewesen und er muss viele Schutzengel gehabt haben, sonst hätte er nicht schwerste Verletzung und Kriegsgefangenschaft überlebt. Meine Generation hat viele solcher Väter und Mütter.

Sie haben uns nicht nur unser Leben geschenkt, sie haben im Aufbau Deutschlands viel dafür getan, dass für uns Freiheit alltägliche Erfahrung ist.
Ich bin dankbar dafür.
Wir haben das Glück, in dem friedlichsten und freiesten Staat zu leben, der jemals auf deutschem Boden existiert hat.
Liebe Rekruten,
bereits in den ersten Tagen ihres Wehrdienstes haben sie erfahren, dass sich ihr Alltag grundlegend geändert hat. Anstrengung und Einschränkung, aber auch Förderung und Gemeinschaft werden ihren Dienst begleiten.

Hier, im Weserbergland, sind sie gut aufgehoben. Ich finde, sie sind eine der ersten Adressen der Bundeswehr. Das ist Herausforderung und Verpflichtung zugleich.
Einen Wunsch habe ich an die Vorgesetzten und Ausbilder. Auch sie haben einmal angefangen. Erinnern sie sich daran, was aus der Rekrutenperspektive einen guten Ausbilder auszeichnet und streben sie danach, das Beste davon anzuwenden.
Liebe Rekruten,
Heute ist ihr Tag!
Im Namen aller darf ich Ihnen persönlich alles Gute für Ihre Zukunft wünschen. Nutzen Sie die Chancen, die sich in den nächsten Monaten bieten für Ihren Lebensweg.

Verehrte Eltern, liebe Angehörige und Freunde!
Sie können heute stolz auf ihre Lieben schauen. Sie gehören nun zu denen, die wir „Bürger in Uniform“ nennen. Begleiten sie sie auch durch diese Zeit. Lassen sie sich informieren über ihre Erfahrungen, nutzen sie die Gelegenheit, viel über unsere Streitkräfte zu erfahren.
Damit leisten auch sie einen Beitrag dazu, dass unsere Bundeswehr „mitten in der Gesellschaft“ ihren Platz hat.

Uns allen wünsche ich eine Zukunft in Frieden und Freiheit. Vielen Dank.