Integration verlangt Anstrengungen von beiden Seiten

Haunhorst L _sekrug-m _ller Thierse
 

Auftaktveranstaltung des SPD-Forums „Neue Gesellschaft“ mit Wolfgang Thierse

Hannover. Als Gastreferent für die Auftaktveranstaltung des SPD-Forums „Neue Gesellschaft“ am Montag im Landtag in Hannover hatte Forumsleiterin und stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Gabriele Lösekrug-Möller (Hameln) den Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages und ehemaligen Vorsitzender der SPD-Programmkommission Wolfgang Thierse eingeladen. „Beide Seiten – Zuwanderer und Aufnahmegesellschaft – müssen große Anstrengungen unternehmen, wenn die Integration gelingen soll,“ meinte der SPD-Politiker aus Berlin. Vom Zuwanderer erwarte er Integrationsbereitschaft. „Es gibt keine Integration ohne Anpassung und Assimilation,“ zitierte Thierse den ehemaligen Bundesinnenminister Otto Schily.
Von der Aufnahmegesellschaft verlangte der Vizepräsident des Deutschen Bundestages Respekt gegenüber der anderen Kultur und das Angebot der eigenen Kultur an die neuen Mitbürger.

Voraussetzung dafür sei ein eigenes Bewusstsein von Geschichte und Kultur. Verunsicherung und Ängste gegenüber anderen Kulturen haben auch mit mangelndem Wissen und Selbstbewusstsein zu tun. Der SPD-Politiker sagte weiter auf der SPD-Veranstaltung in Hannover: „Zur gelungenen Integration gehört Religionsfreiheit und diesen Konflikt muss eine Gesellschaft aushalten können.“ Vom Islam erhofft sich Wolfgang Thierse, dass er einen schnelleren Lernprozess durchlaufen werde als das Christentum mit der Entwicklung zur Aufklärung.

Benno Haunhorst (Holle) , leitendes Mitglied im Arbeitskreis „Christinen und Christen in der SPD“ beim Parteivorstand, wies auf die schwierige, aber letztendlich gelungene Integration der Flüchtlinge aus dem Osten nach dem 2. Weltkrieg in die Bundesrepublik hin. Es waren Sozialdemokraten, die die Öffnung der Gesellschaft gegenüber den Flüchtlingen vorangetrieben haben und darauf könne seine Partei stolz sein, meinte Haunhorst. Deutschland müsse heute viele unterschiedliche Kulturen ertragen können.

Forumsleiterin Lösekrug-Möller erhofft sich von der Forumsarbeit Antworten, wie die künftige Gesellschaft gestaltet werden soll. Deshalb tagt das Forum öffentlich und lädt alle gesellschaftlichen Gruppen zur Mitarbeit ein. Heute habe man sich mit der Vielfalt der Lebensstile in Deutschland und die Antwort der SPD auf das Zusammenspiel von Individualität und Solidarität befasst. Die nächste Veranstaltung des SPD-Forums im Januar 2011 habe die verschiedenen gesellschaftlichen Milieus und die Zielgruppenarbeit der SPD zum Thema. Ein Zeil der Forumsarbeit sei, dass über wichtige gesellschaftliche Prozesse intensiv gesprochen werde. Dies komme in der Tagespolitik zu kurz, meine Gabriele Lösekrug-Möller.