Buchtipp November 2010

Klaus Kordon: Hundert Jahre und ein Sommer

Verlag Beltz, ISBN 978-3407808578, 389 Seiten

Eine junge Studentin aus Westdeutschland, ihre Vorfahren, die jüngere deutsche Geschichte und Berlin als Schauplatz – das ist der Stoff, aus dem dieses Buch gemacht ist. Eva schreibt an Minchen, ihre Ururgroßmutter. Die ist seit mehr als fünfzig Jahren tot, doch als Eva ein Foto der jungen Hermine in die Hände fällt, fühlt sie sich ihr merkwürdig nahe. Sie will mehr erfahren über diese Frau und landet in einer Familiengeschichte, in der persönliche Schicksale und Geschichten an die deutsche Vergangenheit geknüpft sind. Es geht um vier Generationen in Evas Familie und deren Leben im Kaiserreich, der Weimarer Republik, im Dritten Reich und zu Zeiten der deutschen Teilung.

Die Geschichte ihrer Vorfahren führt Eva nach Berlin. Ihren Sommer verbringt sie dort bei Robert, ihrem Großvater, Minchens Enkel, der ihr die Familiengeschichte erzählt. Berlin ist dabei der Hauptschauplatz. Es ist der Ort, an dem Geschichte auch heute sichtbar ist, aber auch der Ort, der Menschen als facettenreich und als eine Stadt im Aufbruch anzieht.

Unsere deutsche Geschichte des letzten Jahrhunderts erzählt Kordon fesselnd am Beispiel der Familie Seemann. Man fiebert mit, wenn Eva die Geheimnisse und Leben ihrer Vorfahren entdeckt und erkennt nicht erst am Schluss, dass solch spannende Geschichten auch in der eigenen Familie zu finden sind.