Buchtipp Oktober 2009

 

Maxim Leo: Haltet euer Herz bereit. Eine deutsche Familiengeschichte.
Bei den Leos wurde viel gestritten. Aber es ging selten um Persönliches, meistens um Politik, um die Gesellschaft, um die große Sache. Gerhard, der Großvater, jüdischer Resistance-Kämpfer, Spion, Journalist, ist ein autoritärer Vertreter der Macht. Seine Lieblingstochter Anne heiratet Wolf, den Künstler, der mit grün gefärbten Haaren durch die Gegend läuft und die DDR zum Verbrecher-Staat erklärt. Anne, die mit siebzehn in die Partei eingetreten ist, versucht, ihren rebellischen Mann zu lieben ,ohne den stalinistischen Vater zu verraten. Maxim wächst als Kind hinein di diese Konflikte, die immer heftiger werden. Er erlebt einen schreienden Vater, eine Mutter , die heimlich in der Küche weint und einen Großvater, der für ihn ein Fremder wird. Achtzehn Jahre nach dem mauerfall kehrt Maxim Leo in Gedanken in die DDR zurück. er beschreibt, warum diese Familie und dieser Staat gescheitert sind.
 

Ein starkes Buch! Absolut lesenswert. Der Autor versteht es, seine privaten Erlebnisse ins große Ganze einzufügen, es ist niemals langweilig und kleinteilig. Dennoch kann man den Gefühlen und Erlebnissen des aufwachsenden Autors nachspüren. Ein guter Erzähler.


Klappentext:
Die Familie von Maxim Leo war wie eine kleine DDR. In ihr konzentrierte sich vieles, was in diesem Land einmal wichtig war: Die Hoffnung und der Glaube der Gründerväter. Die Enttäuschung und das Lavieren ihrer Kinder, die den Traum vom Sozialismus nicht einfach so teilen wollten. Und die Erleichterung der Enkel, als es endlich vorbei war. In dieser Familie wurden im Kleinen die Kämpfe ausgetragen, die im Großen nicht stattfinden durften. Hier traf die Ideologie mit dem Leben zusammen. Maxim Leo erzählt anhand seiner Familie, was die DDR zusammenhielt und was sie schließlich zerstörte.


Über den Autor
Maxim Leo wurde 1970 in Ostberlin geboren; er studierte Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin und am Institut d'Etudes Politiques de Paris. Von 1995 bis 1996 war er Nachrichtenredakteur bei RTL. Seit 1997 ist er Redakteur der »Berliner Zeitung«, seit 2001 im Ressort »Seite Drei«. 2002 war er nominiert für den Egon-Erwin-Kisch- Preis, 2002 erhielt er den Deutsch-Französischen Journalistenpreis, 2006 wurde er ausgezeichnet mit dem Theodor-Wolf-Preis. Mit seinem Kollegen Jochen-Martin Gutsch hat Maxim Leo 2005 »Single. Family - Zwei Männer. Zwei Welten. 66 wahre Geschichten« veröffentlicht. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.