Buchtipp August 2009

Tilmann Ramstedt: Der Kaiser von China

DuMont Buchverlag, Dezember 2008, ISBN-13: 978-3832180744, 192 Seiten.

Mit diesem leichten, aber nicht niveaulosen Roman bereicherte Tilmann Rammstedt meine Sommerlektüre. Das Buch ist lustig, fantasievoll und mit viel Tempo geschrieben und beleuchtet das Verhältnis eines Enkelsohnes zu seinem Großvater, der sich als gemeinsamen Urlaub eine Reise nach China wünscht. Der Ich-Erzähler als Enkelsohn drückt sich vor dieser Aufgabe und muss schließlich in der Not eine gewaltige Lügengeschichte erfinden.

Das Buch komisch und gleichzeitig melancholisch schön. Bitte lesen.

Kurzbeschreibung
Keith Stapperpfennig kommt aus einer einzigartigen Familie. Von der Mutter weiß er wenig, vom Vater gar nichts. Zusammen mit vier vermeintlichen Geschwistern wuchs er beim Großvater auf mit immer neuen, immer jüngeren Großmüttern. In eine von ihnen hat Keith sich selbst verliebt. Zum Achtzigsten schenken die Enkel ihrem Großvater eine gemeinsame Reise an ein Ziel seiner Wahl. Als er sich China wünscht, will keiner ihn begleiten, am Ende bleibt es an Keith hängen. Der lehnt sich zum ersten Mal im Leben auf, verjubelt das Reisegeld und lässt den Großvater alleine ziehen. Doch dann bekommt Keith von der jüngsten Großmutter einen Anruf, sein Opa sei im Westerwald gestorben. Er muss eine Geschichte aus dem Hut zaubern, die den Geschwistern glaubhaft macht, die Reise habe stattgefunden und erfindet sein eigenes China. Doch je weiter sich Keith in seine Lügen verstrickt, desto deutlicher wird, dass er nicht als Einziger die Unwahrheit sagt. Tilman Rammstedt ist ein überwältigender Roman gelungen, so sprühend, rasant und urkomisch, dass man sich mit dem größten Vergnügen belügen lässt.

Der neue Roman vom Ingeborg-Bachmann-Preisträger 2008.