Buchtipp Februar 2006

Schlafes Bruder

Robert Schneider siedelt seinen Roman über das verkannte musikalische Genie Johannes Elias Alder in dem rauhen, vorarlbergischen Bergdorf Eschberg an, dessen Einwohner nur über alltägliche Dinge sprechen, sich ansonsten in Andeutungen ergehen und im Zweifelsfall lieber schweigen als reden. Elias, mit einem übernatürlichen Gehör ausgestattet, wird von diesen Menschen gemieden und von seiner eigenen Mutter abgelehnt.

Geprägt ist Elias’ Leben von seiner leidenschaftlichen Liebe zu Elsbeth und zur Musik.
Obwohl Elsbeth Elias’ Liebe erwidert, gibt es kein Glück für die beiden.
Elsbeths Bruder Peter, selbst verliebt in Elias, hintertreibt die mögliche Beziehung, besonders indem er seine Schwester in die Arme des Knechtes Lukas treibt, den sie schließlich, geschwängert, heiraten muss.
Elias’ musikalisches Talent wird bekannt, er nimmt in der nächstgelegenen Stadt an einem Orgelvorspiel teil und wird begeistert aufgenommen. Dennoch treibt ihn seine unerfüllte Liebe zurück in das Dorf und in den Wahnsinn. Mit Hilfe von Schlafentzug und Drogen und im Beisein von Peter beendet Elias gewaltsam sein Leben.

Dieser Roman, der vordergründig sehr nüchtern, fast wie eine Chronik erzählt ist, bedient sich einer ganz besonderen Sprache. Durch altertümliche Worte und Wendungen und die Umgangs.- und Fachsprache der Dorfbevölkerung schafft Schneider die passende Atmosphäre für seine auch mystische Geschichte um verkanntes Genie und Liebe.
Für mich eine intensiv erzählte Geschichte, die trotz aller Tragik auch wunderschön ist.

Robert Schneider: Schlafes Bruder. Broschiert. 1994, 202 Seiten, Reclam, Leipzig. ISBN 3-379-01518-0. EUR 8,90