Buchtipp Januar 2006

Geliebte Tochter

Wie in Fredrikssons berühmten Roman ‚Hannas Töchter’ dreht es sich bei ‚Geliebte Tochter’ ebenfalls um den Kontakt zwischen den Generationen.
Nach jahrelanger Distanz sucht die junge Architektin Katarina wieder ihre Mutter auf, ein gemeinsames Thema ist aufgetaucht: Katarina wurde von ihrem Liebhaber geschlagen als sie ihm von ihrer Schwangerschaft berichtete, und die Mutter Elisabeth hat jahrelang ohne Gegenwehr die Gewalt ihres Ehemannes hingenommen.

Aber auch Elisabeth braucht Hilfe. Ihr Altersrückzug in Haus und Garten bringt nicht das erhoffte Glück, der Gang durch das vom Morgentau genässte Gras, der Geruch des Kräutergartens bringen nicht wie früher Sinn und Befriedigung.
In langen Gesprächen nähern die beiden Frauen sich einander an und stützen sich gegenseitig. Katarina spürt ihren Wurzeln nach, lernt ihre Familiengeschichte kennen und damit auch ihre eigenen Handlungen zu verstehen und letztlich in richtige Bahnen zu lenken.

In moderner Sprache und Setting lotet Fredrikssons neunter Roman die Tiefe von Beziehungen aus.
Es ist faszinierend mitzuerleben, wie die anfangs ängstlichen Protagonisten sich immer weiter vorwagen in die eigenen Abgründe und die des Gegenüber und dem Leser deutlich zu verstehen geben: Dies ist harte Arbeit, die viel Mut erfordert, aber sie ist auch notwendig für die Chance auf ein gelungenes Leben.



Marianne Fredriksson, Geliebte Tochter
2003, 8,90 Euro ISBN 3596156173, 288 Seiten.