Buchtipp September 2005

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Anna Enquist: Das Vermächtnis des Herrn de Leon.

„Herr de Leon streicht Wanda übers Haar und sagt zu ihr: In der Musik ist kein Krieg, die Musik steht über allem.“ Wanda Wiericke wächst in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Der Vater ist Richter, die Mutter Operettensängerin. Wandas Musikalität wird früh erkannt und gefördert; zweimal in der Woche erhält die erst Sechsjährige Klavierunterricht von Herrn de Leon. Es sind unbeschwerte, mit Musik ausgefüllte Jahre. Als deutsche Truppen die Niederlande besetzen und die Gestapo Wandas geliebten Klavierlehrer abholt, hinterlässt er ihr einen Koffer mit Partituren und ein Geheimnis.

Auch wenn ich den schlichten Schreibstil von Anna Enquist gewöhnungsbedürftig fand, zog mich die Intensität mit der sie die Musikalität Wandas beschreibt, in ihren Bann. Ähnlich ergeht es wohl auch Bouw Kraggenburg, dem Ex-Mann, der sich nach Jahren auf die Suche nach Wanda macht. Er fühlt sich noch immer magisch angezogen von der Frau, die nur für ihre Musik lebte. Während sie sich ein neues Leben einrichtet, fährt er durch Frankreich mit seinen Gedanken in der Vergangenheit. Die Rückblenden auf Wandas gelebte Jahre weben sich durch diese beiden Handlungsstränge, so dass es nicht an Spannung fehlt.

Ich habe dieses Buch mit Genuss gelesen, da es meine Liebe zur Musik neu entfacht hat. Ein Muss für Musikliebhaber!

Anna Enquist: Das Vermächtnis des Herrn de Leon. dtv 1999.
ISBN: 3423125667